Ein passendes Gefährt finden

Nachdem wir wirklich tolle Erfahrungen mit unserem Autocamper sammeln konnten, verfestigte sich mein Wunsch nach einem Jahr Auszeit, um nochmal ein kleines bischen Welt zu sehen, bevor der Ernst des Lebens endgültig zuschlägt - die Schulpflicht und das Arbeitsleben.

 

Aus dem Wunsch reifte schließlich der feste Entschluss mit dem Wohnmobil durch Europa zu tingeln. Und plötzlich war da wieder ganz viel Motivation für's Studium:-)

 

Nun war es daran, das passende Gefährt zu finden.

 

Die Suche gestaltete sich "etwas" schwierig, was vor allem an meinem begrenzten Budget und meinen klaren Vorstellungen lag. Folgende Eckpunkte grenzten die Auswahl am Markt erheblich ein:


  • viel Platz (wir fahren ja schließlich nicht in den Urlaub, sondern leben für längere Zeit im Wohnmobil), also ein kleines Wohnmobil darf es schonmal nicht werden  -> das Problem: je größer, desto teurer...


  • Die Küche auf der "richtigen" Seite, also auf der gleichen Seite wie der Einstieg des Aufbaus, damit ich Fine im Blick habe, wenn ich koche, spüle, etc.

 

  • ein "richtiges" WC, kein Porta Potti zum durch die Gegend tragen

 

  • auf jeden Fall die Möglichkeit an Bord zu duschen

 

  • und wenn es geht, Dusche und WC getrennt, dass nicht gleich das ganze Bad schwimmt und die Kleine dann anschließend alles im Wohnraum verteilt.

 

  • Der Unterbau, also das Fahrzeug selbst, sollte möglichst nicht reparaturbedürftig sein (obwohl mein lieber Papa das natürlich richten könnte, als ehemaliger KFZler), aber ich selbst bin mit dieser Materie überhaupt nicht vertraut und möchte nicht ständig fragen müssen und auf seine Hilfe angewiesen sein

 

  • Im Gegensatz zum Fahrzeugaufbau, hier bin ich durchaus in der Lage selbst Hand anzulegen

 

  • maximaler Kaufpreis 6000 Euro

 

So, das wären die paar wesentlichen Punkte meinerseits:-)

 

Mein Papa fügte dann noch hinzu:

 

- tierfreies Wohnmobil

- Servolenkung

- Diesel

- mindestens um die 90 PS

 

Na gut, dann durchforsten wir mal das Netz....

 

Insgesamt habe ich ca. 2 Monate intensiv gesucht, und mir tatsächlich auch 2 Wohnmobile angesehen.

Das erste war ein Toyota Hiace, total schnuckelig, der Aufbau war sehr ansprechend gestaltet, leider nur ein Porta Potti und WC und Dusche nicht getrennt. Kaufpreis wäre unglaubliche 1800 Euro gewesen, allerdings

- starker Rost an den Türen (wäre wohl ohne neue Türen nicht durch den TÜV gekommen)

- zu wenig PS

- Benziner

 

Das war`s dann wohl süßer Hiace... Ziemlich geknickt ging's dann nach Hause zurück.


Mittlerweile ist einiges an Zeit verstrichen, es ist Anfang Juli, nicht mehr lange bis der verhasste Prüfungszeitraum beginnt und ich habe immer noch nichts passendes gefunden, obwohl ich mir täglich einen Wolf im Netz suche anstatt die Nase in die Bücher zu stecken.


Schließlich weckt eine Anzeige auf Deutschlands bekanntestem Automarkt mein Interesse. Das Telefonat mit dem Besitzer war sehr nett und nach meinen Vorstellungen äußerst positiv.  Euphorisch machte ich meinem Vater klar, dass wir noch selben Tag mal eben nach Stuttgart fahren müssten. 


Ich war absolut zuversichtlich, voller Vorfreude, aber auch mit der Angst vor einer Enttäuschung, der Rest skeptisch und etwas genervt mitten im Feierabendverkehr mal eben 150 km einfach zu fahren. Der Rest bestand aus meinen Eltern, meiner Tochter und meinem Partner.


Doch ich wurde nicht enttäuscht. "Kam - sah - siegte" nennt man so etwas wohl. Von der Anzeige her wusste ich bereits, dass die Inneeinteilung genau meinen Vorstellungen entsprach. Ich betrat das Wohnmobil und wusste: das ist es! Der leichte Geruch nach Gas und Camping erinnerte mich an meine Kindheit mit meinen Großeltern, als wir fast jedes Wochenende auf deren Dauercampingplatz verbrachten.


Die große Freiheit war soo nah - jetzt hieß es abwarten, was Papa's kritische Augen am Fahrzeug zu bemängeln hatten. Er brummelte etwas, doch sein Urteil war insgesamt so positiv, dass es schließlich zu einer Probefahrt kam.


Auf einem nahe gelegenen Parkplatz setzte ich mich dann also zum ersten Mal im Leben hinter das Steuer eines Wohnmobils. Anspannung und Begeisterung machten sich gleichzeitig in mir breit, aber siehe da, trotz Lenkradschaltung und der ungewohnten Größe des Fahrzeuges kam ich super zurecht. Den Rückweg zum Besitzer legte ich gleich selbst zurück.


Nun folgte die familieninterne Beratschlagung. Ich bin ein absoluter Bauchmensch und ich hatte ein abolut gutes Gefühl, es schien einfach als passte alles. Mein Vater, der niemals große Gefühlsausbrüche zeigt, stimmte mir zu, d.h. er hatte keine Einwände was den Kauf anbelangte, was nahezu einer 100%igen Zustimmung entspricht. Meine Tochter war ebenfalls total aus dem Häuschen. Nur meine Mutter und mein Partner hegten Zweifel. Ihrer Meinung nach sollte ich mich noch weiter umsehen, erst einmal meine Prüfungen schreiben und dann weiter schauen.

Aber der Gebrauchtwagen bzw. -warenmarkt ist nun mal Glückssache; entweder man packt die Gelegenheit beim Schopf oder man lässt sie verstreichen. Ein "Reservieren" gibt es nicht und nochmal gründlich überlegen kann dazu führen, dass einem eben ein anderer zuvorkommt. Im Übrigen gibt es meinerseits garnichts zu überlegen - so ziemlich alle meine Kriterien sind erfüllt - inklusive des Kaufpreises. Genauso verhält es sich mit den Bedingungen, die mein Vater aufgestellt hatte.


Nach Entkräftigung aller Gegenargumente und Ausräumung sämtlicher Zweifel habe ich das Wohnmobil wirklich gekauft!!!



Und das ist es:

Das ist er, der Lord Münsterland - mein neues zuhause für mindesten mal 1 Jahr.


Lord Liberty 64000

Fiat Ducato 2,9 TDI

EZ 12/1988

TÜV neu (2 Jahre)

 

Gekauft mit Wasserschaden, zum selber Hand anlegen. Inneraum hat weder muffig gerochen, noch hat man den Wasserschaden groß gesehen. Nur wenn man auf Tuchfühlung mit der Außenwand ging, spürte man, dass die Wand weich war.


Leider habe ich vor lauter Euphorie versäumt, zu Beginn Bilder vom Innenraum zu machen. Glücklicherweise lag den Kaufunterlagen der Originalprospekt von 1988 bei, sodass ich diese Bilder abfotografiert habe. Genau so sah mein Lord auch aus:



Hier noch einmal die Details:


Baujahr bzw. EZ 1988

ca. 123.000 km

Fiat Ducato 2.9 Turbo Diesel mit Servolenkung

2 Jahre TÜV neu

Gasprüfung neu

neue Reifen

Kein Rost am Fahrzeug

inklusive LCD-TV und Kathrein-Antenne

2 Bordbatterien, Stromwandler (Wechselrichter)

große Frisch und Abwassertanks

Festtank für das WC

Dusche mit Schiebetür abgetrennt vom WC

Markise

Fahrradträger für 3 Fahrräder

Dachbox

6 Sitzplätze inklusive Beckengurte!

2 Sitzgruppen

1 Klappbett hinten

....


Und das ganze innerhalb meines Budgets - wo ist der Haken?!


Der Aufbau hat rechts einen Wasserschaden.


Das sollte alledings kein Problem sein, wer ein komplettes Haus (ohne Räder) von grundauf saniert hat, sollte doch halbwegs in der Lage sein, das neue Heim auf Rädern wieder auf Vordermann zu bringen.


Mein Vater hatte das Vertrauen mich, dass ich das hinkriege, dafür danke ich ihm!



Auf der nächsten Seite seht ihr, was nach dem Kauf alles folgte...